Dieser Tag startete nicht gerade ermunternd. Nachdem wir am Vortag mit unserer Walbeobachtungstour voll ins Schwarze getroffen und einen Wal und eine große Delfinschule gesehen hatten, fiel die Ernüchterung über die defekte, nicht mehr lesbare Speicherkarte am Frühstück umso größer aus. Die gesamten Bilder vom Pukaki- und Tekaposee, dem Wal und den Delfinen konnte ich leider mit den mir hier zur Verfügung stehenden Mitteln nicht mehr lesen. Wir hoffen jedoch, dass uns in Deutschland evtl. geholfen werden kann. Wenn also jemand schon mal das gleiche Problem hatte, darf er sich gerne mal bei uns melden und seine Erfahrung berichten 😉
Dass das Wetter an diesem Tag auch nicht so der Knaller war und es schon die ganze Nacht in Strömen schüttete, verließen wir unser mühevoll über 10 Stunden gewärmtes Bett auch eher zögerlich. Unser Tagesziel war Akaroa, ein kleines verschlafenes Nest auf einer durch vulkanische Aktivitäten entstandene Halbinsel in der Nähe von Christchurch. Bekannt ist es wegen seiner im französischen Stil erbauten kleinen Häuschen. Auch sonst stehen die Flaggen hier auf französisch. Ein französischer Bäcker hier, am anderen Eck ein französisches Café, nur das Personal spricht entweder Englisch, Japanisch oder Chinesisch. Wenn nämlich ein Kreuzfahrtschiff anlegt, dann wird der Ort förmlich von einer Flutwelle an Touristen überschwemmt und der beschauliche Ort wird zum Massenspektakel. Wir können von Glück sagen, dass uns das erspart blieb! Aufgrund des anhaltenden (Niesel)regens, beschlossen wir nach einem leckeren Mittagessen in einem der Cafés und einem kurzen Stopp bei einer lokalen Käserei den Rückweg nach Christchurch anzutreten. Dort trafen wir eine Freundin, die uns dankenswerterweise ihren Hausschlüssel außen deponierte, sodass wir bei perfekt vorbereitetem Kaminfeuer unsere Klamotten trocknen und uns aufwärmen konnten bevor ihr Mann uns Abendessen mit echten deutschen Bratwürsten von einem echten deutschen Metzger machte.
Am nächsten Morgen startete der Tag mit etwas „Hausarbeit“. Der Camper musste auf(s)geräumt werden, Wäsche gewaschen und aufgehängt und gepackt werden, damit wir am nächsten Tag den Camper abgeben konnten. Nach getaner Arbeit folgte noch eine kleine Stärkung in Form eines Vespers bevor wir mit dem Bus in die Innenstadt Christchurchs loszogen. Diese ist leicht zu Fuß begehbar. Vom zentralen Omnibusbahnhof zur Cathedral Square vor der, durch ein Erdbeben 2011 zerstörten, Kathedrale, sind es nur einige Gehminuten. Wenn man von dort die Straße hinunter Richtung Canterbury Museum geht, kommt man automatisch in den sehr schön gelegenen botanischen Garten. Der Garten wird vom meanderförmigen kleinen Fluss Avon durchzogen der gleichzeitig den botanischen Garten vom Hagley Park trennt. Im Garten selbst kann man wunderbar am Fluss entlangspazieren, über die ein oder andere Brücke gehen und den tollen Rosengarten bewundern. Vom Park aus ging es einmal fast quer durch die Innenstadt zur „Cardboard Cathedral“ wie sie die Christchurcher liebevoll nennen. Der eigentliche Name ist „transitional Church“ oder Übergangskirche die aber mittlerweile auch schon seit fast 5 Jahren steht und als Ersatz für die zerstörte Kathedrale dient. Gleich zwei Nebenstraßen weiter und absolut unauffällig an einer Ecke stehen 185 weiße Stühle. Dieses Kunstwerk soll an diejenigen erinnern, die beim heftigen Erdbeben, bei dem auch die Kathedrale und viele weitere Häuser zerstört wurden, ums Leben gekommen sind. Es soll zum innehalten und nachdenken anregen. Toll an diesem Kunstwerk ist, dass es ein interaktives Kunstwerk ist, das heißt man ist eingeladen sich auf einen der Stühle zu setzten und an jemanden zu denken den man verloren hat. Von dort ist es dann nur noch ein Katzensprung zurück zum Busbahnhof, wo wir die „blue line“ auf Steig 6 nahmen und nach Hause fuhren.
Leider hatte uns ja das Wetter in Akaroa einen Strich durch die Rechnung gemacht und so nutzten wir die Vorhersage des heutigen Tages aus und fuhren erneut nach Akaroa. Es war spannend zu sehen, wie sich die Landschaft nur wegen des Wetters dramatisch ändert. Bei herrlichem Sonnenschein und angenehmeren Temperaturen schlenderten wir ein bisschen an der Hafenpromenade entlang, bis wir den Ruf nach leckeren Muscheln und Hähnchensandwich rufen hörten und in eines der vielen Cafés saßen. Die Rückfahrt gestaltete sich recht zügig, da wir um 15 Uhr unseren Camper abgeben mussten. Die Rückgabe verlief reibungslos, doch die Rückfahrt in die Stadtmitte gestaltete sich nach einem Unfall auf einer Kreuzung schwierig, da der Bus unsere Haltestelle nicht anfuhr und wir so 45min warten mussten. Glücklicherweise halfen uns zwei Schuljungs dabei den richtigen Bus an der richtigen Stelle zu erwischen. Durch diese Verspätung konnten wir gerade noch rechtzeitig zum Abendessen kommen.
Der nächste Morgen war zuerst mit ausschlafen gefüllt, dann ging es ins medizinische Labor um meine Blutwerte kontrollieren zu lassen. Das verlief mit den entsprechenden E-Mailverläufen erstaunlich reibungslos. Nach so einem Aderlass ist man bekanntlich fast am verhungern und so ließen wir uns auf dem Streetfoodmarkt am Cathedral Square Wokgemüse und mexikanisches Chilli mit Nachos schmecken. Nach der ausgiebigen Mahlzeit entdeckten wir die Lime S Scooter. Man downloaded sich eine App, lädt einen bestimmten Betrag mit seiner Kreditkarte auf und kann mit den akkubetriebenen Scootern losdüsen. Für 30ct pro Minute ist das für zwei Personen günstiger wie ständig mit dem Bus zu fahren. Nachts werden die Scooter eingesammelt, geladen und morgens wieder an bestimmten Stellen aufgestellt. So setzten wir unseren Weg ins Canterbury Museum fort. Dort werden vor allem einheimische Themen, wie eine nachgebaute Straße aus den Anfängen des 20. Jahrhundert, traditionelle Kleidung aus dieser Zeit und Maorikultur ausgestellt. Eine Sonderausstellung befasste sich mit den Expeditionen an den Südpol. Zur Erholung ging es vom Museum aus auf eine kleine Stocherkahnfahrt auf dem Avon, um nochmals eine andere Perspektive vom Hagley Park zu bekommen. Glücklicherweise wurde ich nicht seekrank 😉
Der restliche Abend war mit dem Packen unserer Rücksäcke und dem Verteilen verschiedener Sachen auf unser Gepäck gefüllt. Denn am nächsten Tag hieß es ab in ein neues Land.

 

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